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Sind die Chancen gerecht verteilt?

Gender (In-) Equality ist auch im Gesundheitswesen ein aktuell viel diskutiertes Thema. Am 29.04.2021 wurde dies im AiAcampus-Workshop „Sind die Chancen gerecht verteilt?“ aufgegriffen. So gab Dr. in Sandra Tiefel einen Einblick in die (benachteiligenden) Strukturen im Bereich der Medizin und Pflege, um Antworten auf die eingangs gestellte Frage zu geben. In einer Situationsaufnahme machte sie aufmerksam auf ein gleichbleibendes Phänomen: Frauen haben in Medizin und Pflege häufig eher keine Entscheidungspositionen inne. Lediglich 13% der Spitzenpositionen in der Medizin werden von Frauen besetzt, obwohl etwa 62% der Medizinstudierenden weiblich sind. Auch in der Pflege als überwiegend weiblich dominiertes Berufsfeld zeigt sich ein ähnliches Phänomen: So sind über die Hälfte der Führungspositionen männlich besetzt. Ähnlich ist es auch in ärztlichen Gremien: hier sind Frauen trotz der Zunahme an weiblichen Fachkräften in der Medizin nach wie vor unterrepräsentiert, wozu unter anderem etablierte Männernetzwerke beitragen.

U.a. berichtete das Deutsche Ärzteblatt vermehrt zu diesem Sachverhalt. Aus etablierten Kreisen hieße es, das männlich dominierte Berufsbild der Medizin könne durch den steigenden Frauenanteil an Prestige einbußen und zu einem Absinken der Gehälter führen. Dies sei allerdings kein Phänomen, welches lediglich in der Medizin oder im Bereich der Pflege vorherrsche, sondern im Wissenschaftssektor allgemein verbreitet sei. So hob sie hervor, dass der Frauenanteil in der Wissenschaft insgesamt in Deutschland bereits bei nur etwa 28% liege. Im internationalen Vergleich belege Deutschland damit Platz 38. Im Vergleich hierzu sind auf den ersten drei Plätzen mit einem Frauenanteil von etwa 51% Frauen Lettland, Nordmazedonien und Litauen angeordnet. Im Bereich der klinischen Forschung ist in Deutschland der Anteil der Frauen mit etwa 13% noch geringer ausgeprägt. Dr.in Sandra Tiefel diskutierte mit den Teilnehmenden über mögliche Erklärungsansätze für diesen Status-Quo, indem z.B. auf systeminterne Hemmnisse Bezug genommen wurde. Darüber hinaus gab sie Hinweise zu Unterstützungsangeboten.

Dr.in Sandra Tiefel kann aus ihren beruflichen Erfahrungen als Gleichstellungsbeauftragte der Otto von Guericke-Universität berichten, dass Medizinstudentinnen und junge Ärztinnen oftmals keine oder nur vage Vorstellungen über die eigenen Karrieremöglichkeiten hätten und im Grunde viel mehr Unterstützung erfahren müssten, insbesondere dann, wenn Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere oder einer Tätigkeit im klinischen Bereich bestehe.

Dr.in Sandra Tiefel ist neben ihrem Amt als Gleichstellungsbeauftragte der OvGU Bildungswissenschaftlerin und seit vielen Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Pädagogik und Medienbildung der Otto von Guericke-Universität Magdeburg .

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