comment 0

EBN/M/C

Am 10.06.2021 sprach Frau Prof.in Meyer, Leiterin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, im AiAcampus über Evidenz based Nursing (EBN/C) und Medizin (EBM). Dabei betonte sie, dass die EBM/N/C keine Forschungsmethoden von vornherein festlege, sondern es von der jeweiligen Fragestellung abhänge, welche Forschungsmethode am besten anzuwenden sei. Für die Wirksamkeit von Medikamenten und Interventionen, seien allerdings kontrollierte randomisierte Kontrollstudien die derzeitig beste Methode, um Effekte belegen zu können.

Die EBM/N/C strebe danach Forschungsmethoden kontinuierlich auszudifferenzieren und zu optimieren. Ziel sei es durch qualitativ hochwertige Studien die Unsicherheit über Nutzen und Risiken für Patient:innen bei medizinischen Entscheidungen zu verringern. Kritisch sieht Frau Prof.in Meyer auch Einzelfallbeobachtungen, die es nicht erlaubten ursächliche Schlussfolgerungen für Populationen zu ziehen. Unzulässige kausale Interpretationen von Assoziationsstudien fänden sich in den Schlagzeilen und führten so zu Falschinformationen in der Öffentlichkeit. Durch schlechte Studiendesigns würde außerdem jede Menge „research waste“hergestellt, der keinem weiterhelfe und letztlich nur Kosten produziere.

Hinsichtlich Evidenz based Nursing gibt es im deutschsprachigen Raum ein Standardwerk von Behrens und Langer. Dieses stellt der externen Evidence durch die Wissenschaft die interne Evidence, das Erfahrungswissen der Praktiker:innen, gegenüber. 

Frau Prof.in Meyer betonte auch, dass bei der EBM/N/C die Patient:innen im Zentrum stünden und partizipativ beteiligt werden sollten. Das Ziel der EBM/N/C sei es dazu beizutragen, dass Patient*innen informierte Entscheidungen gemeinsam mit Akteur*innen im Gesundheitsbereich treffen könnten (SDM), auf Grundlage von wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen, mit Hilfe von Entscheidungshilfen und eigener Gesundheitskompetenz. So sollte die EBM/N/C demokratisch statt paternalistisch, fakten- statt eminenzbasiert, Kritisch abwägend statt enthusiastisch und im ständigen Prozess der Verbesserung sein.

Umsetzungsbarrieren sieht Frau Prof.in Meyer im Mangel an EBM/N/C-Kompetenz, da dieser Kompetenzerwerb kein Bestandteil der Ausbildung in Medizin und Pflege sei, den Leitlinien, die häufig für das Shared Decision Making (SDM) nicht nutzbar seien und das Fehlen von Entscheidungshilfen für Patient*innen.

Angela Ulrich

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar