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Tanzen gegen das Vergessen – eine Dissertation zur interdisziplinären Altersforschung

Der steigende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung geht mit einer erhöhten Prävalenz chronischer Erkrankungen einher, was das Gesundheitssystem und die Versorgung künftig vor große Herausforderungen stellt. Daher werden geeignete Maßnahmen benötigt, die ein gesundes Altern verbunden mit einer hohen Lebens-qualität unterstützen.

Im Sommer 2021 wurde eine Dissertationsschrift zum Thema „Auswirkungen langfristigen sportiven Tanztrainings, Ausdauer- und Krafttrainings sowie physischer Inaktivität auf die Gehirnstruktur und kognitive sowie motorische Leistungsparameter bei älteren Menschen“ im Wissenschaftsverlag Dr. Kovač veröffentlicht. Die Studie basiert auf einer Kooperation des Instituts für Sportwissenschaft an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) e.V. in Magdeburg. Das Ziel der Studie war es, den Einfluss unterschiedlicher körperlicher Aktivitäten auf neurostrukturelle, molekulare, neuropsychologische und motorische Parameter bei gesunden älteren Menschen im Alter von 60 bis 85 Jahren im Langzeitverlauf von etwa 5 Jahren zu untersuchen. Hierzu wurde erforscht, inwieweit sich sportives Tanztraining und Konditionstraining hinsichtlich der Auswirkungen in einem zeitlichen Verlauf von etwa 5 Jahren unterscheiden. Weiterhin wurde überprüft, ob es Unterschiede zwischen den Gruppen sportives Tanztraining, Konditionstraining sowie physische Inaktivität gibt.

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Aus der Langzeituntersuchung ging hervor, dass Tanz- sowie Konditionstraining zu einer Volumenzunahme der Amygdala führen. Zudem verbesserte die Gruppe Tanz die verbale Gedächtnisleistung. Beide Gruppen steigerten sich weiterhin in der Gleichgewichtsfähigkeit. Der Gruppenvergleich offenbarte, dass sich die aktiven Gruppen in der verbalen Gedächtnisleistung sowie in der Gleichgewichtsfähigkeit von physisch inaktiven Personen unterscheiden. Außerdem hob sich die Gruppe Konditionstraining in der Verarbeitungsgeschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit von den physisch Inaktiven ab. Hinsichtlich der Ausdauerleistung unterschieden sich die Gruppen Konditionstraining und physische Inaktivität, nicht jedoch die beiden aktiven Gruppen voneinander. Tanz und Konditionstraining scheinen demnach einen ähnlich hohen konditionellen Anspruch an den menschlichen Organismus zu stellen. Abschließend konnte ein Zusammenhang zwischen verbaler Gedächtnisleistung und Gleichgewichtsfähigkeit belegt werden. Es ist zu schlussfolgern, dass sich sowohl Tanz als auch Konditionstraining positiv auf neurostrukturelle, neuropsychologische sowie motorische Leistungsparameter bei älteren Menschen auswirken und somit zum Erhalt der Hirnstruktur sowie kognitiver und motorischer Funktionen im Alter beitragen können. Ein langfristig physisch aktiver Lebensstil führt demnach dazu, die Lebensqualität und Autonomie im Alter langfristig aufrechtzuerhalten.

Dr. Mandy Bade

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