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Erfahrungsbericht DGSMP Kongress 2021

Nachdem die Jahrestagung der DSGSMP (Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention) letztes Jahr aufgrund von Corona abgesagt wurde, fand sie dieses Jahr vom 22.-24. September sicherheitshalber online statt. Ausrichter war das Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig. Prof.in Dr.in med. Steffi G. Riedel-Heller ist die Institutsdirektorin und fungierte daher auch als Kongresspräsidentin. Die Kommunikation und Organisation im Vorfeld der Jahrestagung war sehr gut und ich fühlte mich als Vortragende (Individuelle und strukturelle Strategien für Selbstbestimmung bei gesundheitlichen Einschränkungen im Alter mit J. Piel und N. Otto) und als Co-Chair einer Session (Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alter (Vorsitz: T. Luck (Erfurt), A. Eich-Krohm (Magdeburg)) gut vorbereitet.

Die Abstracts von 2020 behielten ihre Gültigkeit und konnten bei Bedarf aktualisiert oder gelöscht werden, aber auch neue Abstracts wurden angenommen. Das hatte zur Folge, dass die Jahrestagung nicht nur von Covid-19 dominiert wurde . Nach mehr als einem Jahr, in dem es in der Versorgungsforschung gefühlt nur ein Thema gab (Covid-19 Pandemie), war es eine Wohltat, auch Vorträge mit anderen Inhalten zu hören. Jede Session dauerte genau 60 Minuten, d.h. pro Referierenden gab es elf Minuten, sieben Minuten für den Vortrag und vier Minuten für Fragen und Antworten. Das bedeutete, dass die Vortragenden ihre Forschung nicht vertieft darstellen konnten. Für die Zuhörenden war nach drei Sessions schon das Maximum an Aufmerksamkeit erreicht, danach wurde es schwierig, weiterhin alles konzentriert aufzunehmen. Die Präsentationen geschahen im fliegenden Wechsel und häufig überzogen die Vortragenden das Zeitlimit weshalb Fragen nicht mehr gestellt werden konnten.

Die Technik funktionierte nicht auf Anhieb und durchgehend, manchmal ging es, dann wieder nicht. Es begann schon bei der Keynote von Prof. Karl Lauterbach, dem Empfänger der Salomon- Neumann-Medaille des letzten Jahres. Erst konnte man ihn nicht hören und sehen konnte man ihn gar nicht. Dadurch wurde die Laudatio auf ihn, erst nach seiner Keynote gehalten und nicht wie üblich vorher. So zog es sich durch und nahm teilweise Loriot-ähnliche Formate an, wie eine Kollegin berichtete. Aber damit haben wir ja gelernt umzugehen, egal wie gut vorbereitet die Technik scheint, auch im zweiten Pandemie Jahr klappt es noch immer nicht perfekt.

Trotzdem habe ich einiges mitgenommen, denn es wurden z.B. mehr Projekte vorgestellt, die auf einem qualitativen Forschungsansatz beruhen, als in den Jahren zuvor und auch die partizipative Forschung war der Fokus in drei Sessions. Ich würde mich freuen, wenn sich auch eine Vielfalt bei der Verleihung der Salomon-Neumann-Medaille einstellen würde, denn den 30 Empfängern stehen vier Empfängerinnen gegenüber, da ist eindeutig noch Luft nach oben.

Was hat gefehlt? Der Austausch mit der Person, die in einer Session direkt neben einem sitzt. Der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen des eigenen und anderer Institute und das „lass uns mal eben einen Kaffee abgreifen“. Im Programm habe ich viele Kolleg:innen des AiA Verbundes gesehen, aber leider war ein schneller informeller Austausch nicht möglich. Deshalb hoffe ich auf die Zeit nach Covid-19 wenn es wieder spannende und zufällige Begegnungen in Person bei Konferenzen geben kann.

Dr. Astrid Eich-Krohm,Leiterin des Zentralprojektes, Forschungsverbund „Autonomie im Alter“, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, OvGU Magdeburg

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