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Warum geschlechtersensible oder geschlechtergerechte Sprache, das ist hier die Frage…

Für das Team des Zentralprojektes stellt die Verwendung einer geschlechtersensiblen Sprache keine Herausforderung, sondern eine Selbstverständlichkeit dar. Zum einen mag es daran liegen, dass wir als Sozial- und Gesundheitswissenschaftler:innen in diesem Thema verortet sind und zum anderen als Mitarbeitende der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg deren Empfehlungen umsetzen. Die OvGU hat dazu hilfreiche Informationen zusammengestellt, die Mitarbeitende bei Fragen zu Ausdrucksformen zu Rate ziehen können [1].

Auch die Martin-Luther-Universität in Halle hält entsprechende Informationen bereit und erläutert, warum eine gendersensible Sprache wichtig ist: „Sprache ist eine der wichtigsten Kommunikationsformen. Sie ist jedoch kein neutrales Werkzeug, sondern drückt immer auch gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen aus, prägt Wahrnehmungen und schafft Realitäten.Sprache ist eine soziale Praxis, derer sich die Sprechenden zumeist nicht bewusst sind. In gesellschaftlichen Kontexten, die männlich geprägt sind, sind maskuline Ausdrucksformen sprachliche Realität. Jede Bemühung um Geschlechtergerechtigkeit muss somit auch die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter implizieren. Durch einen wertschätzenden gendersensiblen Sprachgebrauch mit differenzierten Formulierungen werden Ungleichheiten und Diskriminierungen vermieden“ [2, 3, 4].

Eng verknüpft mit einer gendersensiblen Sprache ist auch die Geschlechterverteilung in unterschiedlichen Berufsgruppen. Auch im wissenschaftlichen Bereich sind männliche Professoren in der Mehrheit und Professorinnen in der Minderheit. „Derzeit ist nur etwas mehr als jede fünfte Professur in Deutschland mit einer Frau besetzt. Nach der Promotion verlassen überdurchschnittlich viele Frauen die Wissenschaft. Deutlich weniger als ein Drittel der Habilitationen werden von Frauen geschrieben. Die Habilitation ist auch heute noch häufig eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine Professur“ [5, Seite 4]. Wie sieht es eigentlich bei uns im AiA Verbund mit dem Frauen- und Männeranteil aus?

Schauen wir uns die aktuellen Daten der FP 2 und 3 dazu an, ist das Bild wie folgt: während wir bei den Projektleitungen keine Parität haben, sondern 61% Männer und 39% Frauen, sieht es bei den Teams anders aus, Frauen haben dort einen weit höheren Prozentanteil. Wissenschaftlerinnen fallen nach der Promotion, häufig durch Familiengründung, zurück in ihren Karrierebestrebungen.

Die Förderung von geschlechtergerechter Personalbesetzung ist für viele Institutionen im wissenschaftlichen Bereich ein wichtiges Anliegen geworden. Zum Beispiel führt die Leibniz-Forschungsgemeinschaft regelmäßig Befragungen zum Thema Gleichstellung durch. Im Leibniz-Gleichstellungsbericht 2020 werde der aktuelle Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft dokumentiert und evaluiert [5, Seite 01]. Der Bericht stellt eine strukturelle Verbesserung der Situation zu vorherigen Jahren fest, verweist aber auch darauf, dass noch viel passieren muss. So heißt es in dem Bericht aus 2020: Die Zielquoten des Kaskadenmodells der Leibniz-Gemeinschaft auf Leitungspositionen bis zum Jahre 2025 können in einzelnen Einrichtungen nach wie vor nicht erreicht werden. Diese Einrichtungen nennen mehrere Gründe dafür, insbesondere – neben dem Ausbleiben von Vakanzen in den nächsten Jahren – den Mangel an Bewerberinnen in den MINT-Fächern (1) und den Wirtschaftswissenschaften. Zudem kommen mitunter implizite Vorurteile (unconsciousbias) bei der Auswahl des Führungspersonals zum Tragen oder die Mechanismen zur Rekrutierung von Frauen für wissenschaftliche Leitungspositionen greifen zu spät“ [5, Seite 01]. Hinzu kommt, dass nur ein Drittel der Leitungspositionen angebotene Fortbildungen zu diesem Thema wahrnehmen [5, Seite 02]. Die Leibniz Gemeinschaft favorisiert mit dem Kaskaden Modell (Prinzip des Wasserfalls) einen „Top-down Approach“ d.h. die Leibniz Gemeinschaft erstellt Empfehlungen für die Leibniz Institute und dokumentiert durch regelmäßige Berichte ob und wie die Institute die Empfehlungen umsetzen.

Im Gegensatz dazu hat die Hochschule Magdeburg-Stendal auf ihrer Webseite eine Diskussion zwischen Angehörigen aus unterschiedlichen institutionellen Bereichen veröffentlicht, um Einstellungen und Meinungen zu verdeutlichen und schafft so einen „Bottom-up Approach“ zu diesem Thema. Zwei Studentinnen der Hochschule und andere Mitarbeitende kommen zu Wort ergänzt durch weitere Informationen zum Thema gendersensible Sprache [6]. Außerdem wird in einem anderen online-Beitrag auf der Homepage der Hochschule die gesellschaftliche Norm „typisch Mann und typisch Frau“ hinterfragt [7].  

Und wie positioniert sich die Landesregierung in Sachsen-Anhalt dazu? Aufgrund einer kleinen Anfrage: „Gegenderte Sprache an Sachsen-anhaltischen Hochschulen“ wurde die Drucksache 7/89425.01.2017 veröffentlicht. Die Landesregierung schreibt den Hochschulen keine Regelungen vor und bezieht sich auf die GWK- So heißt es, dass„die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), die alle Bund und Länder gemeinsam berührenden Fragen der Forschungsförderung, der wissenschafts- und forschungspolitischen Strategien und des Wissenschaftssystems behandelt, […] keine Vorgaben zur Anwendung der geschlechtergerechten Sprache herausgegeben habe  [8]. Mal schauen, ob es hierzu durch die neue Landesregierung Änderungen bzw. Denkanstöße geben wird.

Dieser kurze Ausflug in ein wichtiges politisches und gesellschaftliches Thema ist dazu gedacht, verschiedene Meinungen im Bundesland Sachsen-Anhalt im Bereich der Wissenschaft darzustellen. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Ich persönlich freue mich, dass ich die Möglichkeit des Einsatzes einer gendersensiblen Sprache habe.

Dr. Astrid Eich-Krohm, Leiterin des Zentralprojektes, Forschungsverbund „Autonomie im Alter“

Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, OvGU

Links:

[1] Büro für Gleichstellungsfragen „Gendersensible Sprache“, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, abgerufen am 05.10.2021: https://www.bfg.ovgu.de/gendersensibel.html

[2] Stabsstelle „Vielfalt und Chancengleichheit“ des Rektors der Martin-Luther-Universität Halle, abgerufen am 05.10.2021: https://www.rektor.uni-halle.de/stabsstelle/vielfalt-chancengleichheit/gleichstellung/geschlechtersensible_sprache/

[3] Stabsstelle „Vielfalt und Chancengleichheit“ des Rektors der Martin-Luther-Universität Halle,  „Empfehlungen zur Geschlechtergerechten Kommunikation“ abgerufen am 05.10.2021: https://www.gleichstellung.uni-halle.de/gleichstellung/kommunikation/

[4] Meyer, Gabriele „EMPFEHLUNG ZUR GENDERGERECHTEN SPRACHE an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und am Universitätsklinikum Halle (Saale)“, abgerufen am 05.10.2021: https://wcms.itz.uni-halle.de/download.php?down=44251&elem=3018099

[5] Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2018) „Genderprofessuren an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland“, abgerufen am 05.10.2021: https://www.bundestag.de/resource/blob/536708/f920fd8afc4c784a7bd0ce05801097bd/wd-8-043-17-pdf-data.pdf

[6] Bericht zur Umsetzung der Leibniz-Gleichstellungsstandards in den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft 2020 Projektgruppe Gleichstellung des Präsidiums der Leibniz-Gemeinschaft, abgerufen am 05.10.2021: https://www.leibniz-gemeinschaft.de/fileadmin/user_upload/Bilder_und_Downloads/%C3%9Cber_uns/Organisation/Dokumente/Gleichstellungsbericht-2020.pdf

[7] Gryczke, Robert “Die Suche nach Gerechter Sprache” aus treffpunkt campus Nr. 104, 04/2019, Hochschule Magdeburg-Stendal, abgerufen am 05.10.2021: https://www.h2.de/hochschule/einrichtungen/hochschulkommunikation/hochschulmagazin-treffpunkt-campus/unsere-storys-im-ueberblick/unsere-specials/die-suche-nach-gerechter-sprache.html

[8] Remiorz, Katharina „Geschlechtervielfalt Tolerant begegnen“ Hochschule Magdeburg-Stendal abgerufen am 05.10.2021: https://www.h2.de/hochschule/einrichtungen/hochschulkommunikation/hochschulmagazin-treffpunkt-campus/unsere-storys-im-ueberblick/aktuelles/geschlechtervielfalt-tolerant-begegnen.html

[9] Landtag von Sachsen-Anhalt, Drucksache 7/894 25.01.2017 Kleine Anfrage KA 7/468 „Gegenderte Sprache an sachsen-anhaltischen Hochschulen“, abgerufen am 05.10.2021: https://s3.kleine-anfragen.de/ka-prod/st/7/894.pdf

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