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Neue Studie zu Erwerbsarbeit im Ruhestand

Der Anteil älterer Menschen, die im Ruhestand einer Erwerbsarbeit nachgehen hat sich in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt.

In einer gemeinsamen Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) wurden die Motive für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nach dem Erreichen des gesetzlichen Ruhestandes untersucht. Ebenfalls wurde untersucht, weshalb die überwiegende Mehrheit der Ruheständler:innen keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht.

Die Forscher:innen legten den Schwerpunkt ihrer Analyse auf Personen im Alter von 65 bis 74 Jahren, da noch ältere Menschen äußerst selten erwerbstätig sind. So waren im Jahr 2018 rund 15 Prozent der 65- bis 69-jährigen und rund 13 Prozent der 70- bis 74- jährigen Rentner:innen und Pensionär:innen erwerbstätig, ab einem Alter von 75 Jahren nur noch 2 Prozent.

Die Studie beruht auf Daten des IAB-Panels Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS) aus dem Jahr 2018. Dort wurden erwerbstätige und nicht mehr erwerbstätige Personen befragt, die das staatliche Ruhestandsalter erreicht hatten und eine private oder gesetzliche Altersrente bzw. Pension erhielten.

Haupterkenntnisse der Studie:

  • Die Wahrscheinlichkeit, im Ruhestand einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ist bei hohem Bildungsniveau am größten. Zugleich ist sie bei Personen, die ohne ihr Erwerbseinkommen über ein relativ geringes Haushaltseinkommen verfügen, höher als bei denjenigen mit besseren finanziellen Ressourcen.
  • Während die meisten Rentenbeziehenden nichtmonetäre Gründe für ihre Erwerbsarbeit angeben, spielen bei 43 Prozent auch finanzielle Motive eine Rolle.
  • Nicht erwerbstätige Rentenbeziehende haben ganz überwiegend keinen Erwerbswunsch mehr und sehen mehrheitlich keine finanzielle Notwendigkeit zu arbeiten. Personen mit niedrigen Einkommen geben häufiger gesundheitliche Probleme und fehlende Stellenangebote als Gründe für die Nichterwerbstätigkeit an.

Was diese Studie besonders macht ist, dass dort auch die Motive von Nichterwerbstätigkeit im Altersruhestand näher beleuchtet werden. Bislang gibt es kaum Evidenz zu diesem Punkt. Zum Thema Altersarmut im Zusammenhang mit unzureichender Alterssicherung, gerade bei Menschen aus dem Niedriglohnbereich oder prekären Arbeitsverhältnissen, ist die Studienlage hingegen deutlich besser.

Ebenfalls spannend ist die Erkenntnis, dass entgegen des (in der öffentlichen Debatte oft eindimensional argumentierten) finanziellen Motives der Erwerbsarbeit in dieser Studie ganz andere Hauptmotive ermittelt wurden.

So gab die überwiegende Mehrheit der befragten Ruheständler: innen als Hauptgründe für eine Erwerbstätigkeit, den Spaß an der Arbeit (97%), weiterhin eine Aufgabe zu haben (92%) und Kontakt zu anderen Menschen zu haben (91%) an. Nur 43% gaben zudem finanzielle Motive an.

Vor dem Hintergrund von demographischem Wandel und Fachkräftemangel ist es meines Erachtens sinnvoll, die Rahmenbedingungen von Erwerbsarbeit im Ruhestand noch attraktiver zu gestalten.

Die Studie zum Download (PDF): Romeu Gordo, L., Gundert, S., Engstler, H., Vogel, C., & Simonson, J. (2022): Erwerbsarbeit im Ruhestand hat vielfältige Gründe – nicht nur finanzielle. IAB-Kurzbericht 8/2022

Falk Bauermeister, ISMG, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

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